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Chanel, Louis Vuitton, Louboutin oder Abercrombie & Fitch: Gassmann weiß, was gefragt ist. Er muss es wissen. Denn er sitzt mit seinen Kollegen bei der Zollstelle Wien in Inzersdorf. Tausende Pakete werden hier täglich aus aller Welt angeliefert. Und speziell vor Weihnachten steigt die Zahl noch einmal beträchtlich. Denn immer öfter wird im Internet eingekauft. Doch nicht alles, wo Burberry oder Miu Miu draufsteht, ist auch tatsächlich von den Nobel-Herstellern. 97.957 Plagiate, also Produktfälschungen, hat der Zoll im vergangenen Jahr aus der Post gefischt. Wert: 5,3 Millionen Euro. Den Produktpiraten wird in Inzersdorf der Kampf angesagt.

Derzeit kommen rund 20.000 Pakete pro Woche herein. Zwischen 3000 und 4000 fallen auf – vor allem aufgrund der Herkunft und der Produktbeschreibung auf den Einfuhr-Unterlagen – und werden kontrolliert. Fast 95 Prozent davon sind Treffer“, erklärt Gassmann. Alle Sendungen aus dem Ausland landen hier. Außer jene aus der Schweiz – die werden in Vorarlberg behandelt.Interesse weckt bei den Plagiatsjägern ein großer Karton aus China. Schon die Herkunft lässt bei den Beamten der Zollstelle die Alarmglocken läuten – denn China ist der größte Hersteller von Fälschungen. Und tatsächlich. Unter biederen rosa Mäntelchen kommen Chanel-Tücher aus Kunstfaser, Chanel-Ohrstecker aus Plastik und nachgemachte Handtaschen der Nobel-Marke zum Vorschein. Darunter finden die Zollfahnder auch noch ein Burberry-Hemd in XXL und Ballerinas von Miu Miu. „Das schaut nicht nach einer Privatbestellung aus, da will wohl jemand damit handeln“, urteilt Gerhard Marosi, Leiter der Abteilung Betrugsbekämpfung. Der Empfänger aus dem 16. Wiener Gemeindebezirk wird die Ware allerdings nie bekommen.

Und auch jener Besteller, der eine Großpackung Viagra (mit Fruchtgeschmack) und Vitaminpillen geordert hat, wird wohl ohne auskommen müssen. „Das Problem ist die Form. Die ist nämlich patentiert“, sagt Marosi. Und damit verstößt man gegen das Markenrecht. „Mehrere Hundert Euro an Strafe sind möglich.“ Aber auch gesundheitlich bergen die Medikamenten-Importe große Gefahren. „Wir haben einmal ein Herzmedikament aus Russland untersuchen lassen. Das bestand aus Ziegelstaub, Markierungsfarbe und Möbelpolitur“, zählt Marosi auf.Übrigens: Noch immer groß in Mode sind bei Schuhimporten die warmen, aber gefälschten UGG-Boots. „Sobald es wärmer wird, kommen dann wieder mehr Louboutins und Manolo Blahniks“, weiß Gassmann.