Uggs australien

Eine neue Herausforderung: ein Abendessen in einem einigermassen schicken Lokal mit Freunden. Das Outfit der Wahl: schwarze Hose, schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift «Ok, but first coffee», schwarz-weisse Baseballjacke. Die Winterschuhe machen Sinn, weil wir in den Bergen sind, dort laufen alle so rum. Auch im Ausgang. Was die Message auf dem Shirt betrifft: Entweder, sie verstehts nicht (was ich nicht glaube, schliesslich hat sie seit über zwei Jahren Englisch), es ist ihr egal oder sie hats extra gemacht. Wie auch immer, der Kellner schaut leicht irritiert, fragt aber nicht, ob ich den Espresso wirklich schon vor dem Essen will. Ansonsten muss ich gestehen, dass ich mich zwischen all den Hemden, Jacketts, Blüschen und Strickjacken leicht underdressed fühle. Aber egal – Hauptsache, es schmeckt.
Wir gehen zusammen an ein Konzert. «Willst du das Orange oder das Schwarze?», fragt meine Tochter und hält mir zwei Cocktailkleider hin. Beim Gedanken, im Kleidchen dort aufzukreuzen, stellen sich mir alle Haare auf. Grundsätzlich bin ich zwar der Meinung, lieber overdressed als underdressed, aber das wäre dann doch zu viel des Guten. «Man geht nicht so aufgestylt an ein Popkonzert. Darf ich bittebittebittebitte Hosen tragen?» Ich darf. Dunkle Jeans, T-Shirt, Docs. Dankedankedankedanke, Kind!So langsam hat sie glaubs keinen Bock mehr. Heute gibts einfach das, was gerade zuoberst auf dem Stapel liegt: Jeans und Rollkragenpulli. Fast schon ein bisschen langweilig. Einzig die Leute, die mich in den letzten Tagen regelmässig gesehen haben, werden sich vielleicht ein bisschen darüber wundern, dass ich im Schneegestöber im kürzesten Mini und T-Shirt rumrannte und jetzt, wo die Temperaturen fast schon frühlingshaft sind, im Rolli auftauche…
Das gleiche Spiel wie gestern: Ein Griff, was zuoberst liegt, wird getragen. Jeans, Ringelshirt, dazu Boots oder Sneakers, ist ihr egal. Nun ja, bequem ists allemal. Und wir sind beide froh, ist das Experiment zu Ende. Sie hat besseres zu tun als sich mit meinen Klamotten zu beschäftigen, und ich sehe dem Morgen nach der abendlichen Kleiderwahl wieder gelassen entgegen. Mein Fazit: So übel ist ihr Geschmack nicht, abgesehen von ein, zwei Ausnahmen. Die Cowboyboots hab ich wieder ganz hinten ins Schuhgestell versorgt – man weiss ja nie – und den pinken Mini wollte ich eigentlich entsorgen. Meine Tochter meinte aber, ich solle ihn doch mal zur Seite legen, vielleicht würde sie ihn ja eines Tages tragen. Ok – dann sollte «eines Tages» aber solange sein, wie ihr der Jupe noch bis zu den Knien geht. Danach werd ich nämlich mein Veto einlegen.