Uggs black friday

Im Thüringer Wald scheint die Sonne, zum gefühlt ersten Mal in diesem Jahr. Marike Heycke trägt noch Winterstiefel und sitzt auf einer Bank im Kirchhof der Ilmenauer Kreuzkirche. „Der Schnee hat uns die Arbeit schon ziemlich erschwert“, sagt die 23 Jahre alte Studentin der Medienwirtschaft. Ihre Kollegin Kathrin Bernsau nickt: „Manchmal haben wir morgens festgestellt, dass ein Drehort komplett zugeschneit war. Eine Szene sollte eigentlich ein Frühlingsfest im Garten werden, die mussten wir nach drinnen verlegen.“Die beiden jungen Frauen sind Produktionsleiterinnen der „ilmpressions“ Filmproduktion, die eine alte Ilmenauer Tradition mit professionellen Mitteln fortführt. Jahrzehntelang drehten Studenten der Technischen Hochschule in Ilmenau jedes Jahr den „Bergfestfilm“, der auf spielerisch-amateurhafte Art Momente des studentischen Lebens in der Stadt festhielt. Davon sind die Studentinnen mittlerweile weit entfernt: 150 Studierende und einige wenige Profis sind in 26 „Departments“ seit dem vergangenen Sommer ehrenamtlich damit beschäftigt, einen rund 70 Minuten langen Spielfilm zu drehen.

Ähnliche Projekte gibt es zwar an vielen Filmhochschulen in Deutschland. Doch dort erhalten die Studenten von den Hochschulen finanziell wie inhaltlich umfassende Unterstützung. Die Ilmenauer haben sich die notwendige Expertise dagegen größtenteils in Eigenregie angeeignet. Neben Medienwissenschaftlern sind auch Wirtschaftsingenieure und Elektrotechniker im Team. Die Dreharbeiten finden nur in der vorlesungsfreien Zeit statt.Marike Heycke und Kathrin Bernsau haben seit Drehbeginn ihre gesamte Freizeit für das Projekt geopfert: „Es ist schon anstrengend“, sagt Heycke, „aber es macht unheimlich Spaß. Das Team ist super, der Lerneffekt enorm.“ In der Ilmenauer Kreuzkirche wird an einem der letzten Drehtage endlich auch die Anfangsszene gedreht. Sie spielt bei einer Beerdigung. Während es draußen auf der Bank trotz des Schnees schon sonnig und warm ist, steckt im Kirchengemäuer noch die winterliche Kälte. Die Filmcrew läuft mit Wärmflaschen und dicken Decken hin und her, Hauptdarstellerin Tanja Penner trägt gleich drei Jacken übereinander, während sie auf ihren Einsatz wartet.

Trotzdem ist sie frohen Mutes: „Ich hab letztes Jahr die Schauspielschule abgeschlossen und hatte eigentlich vor, in Zukunft nur noch Theater zu spielen.“ Doch das ilmpressions-Projekt gefällt ihr: „Jetzt will ich auch weiterhin mehr Filme machen.“ Penner spielt die Rolle der Johanna, einer jungen Frau, deren Großmutter sie als Alleinerbin einsetzt. Doch um an das Erbe zu kommen, wird sie über das Testament der Großmutter auf eine Art Schnitzeljagd in deren Vergangenheit geschickt. Das Drehbuch beschäftigt sich mit Generationenkonflikten, Verstehen und Vergeben, dem Sich-Hineinversetzen in andere Lebenswelten.